Schimmel in der Wohnung – Wie gefährlich ist das für Ihre Gesundheit?

Schimmel in Wohnräumen ist mehr als nur ein optisches Problem.

Einige Arten – insbesondere solche, die als „schwarzer Schimmel“ bezeichnet werden – können bei empfindlichen Personen Reizungen, Allergien oder sogar gesundheitliche Langzeitfolgen auslösen.

Wie riskant ein Schimmelbefall wirklich ist, hängt von Art, Ausmaß und Dauer der Belastung ab. Studien aus Deutschland und anderen europäischen Ländern zeigen, dass Menschen in feuchten oder schimmelbelasteten Wohnungen häufiger an Asthma, Husten und allergischem Schnupfen leiden.

Aktuell gibt es jedoch keine verbindlichen Grenzwerte für Wohnräume – deshalb empfehlen Fachstellen, jeden sichtbaren Schimmelbefall ernst zu nehmen, besonders bei gesundheitlichen Symptomen.

„Schwarzer Schimmel“ ist kein wissenschaftlicher Begriff, wird aber häufig verwendet, wenn dunkle, schwarze oder grünlich-schwarze Flecken auftreten.
Die folgende Übersicht zeigt die häufigsten Pilzarten, die so aussehen können – und was sie auslösen können:

PilzartTypische FundorteGesundheitsrisiko
Stachybotrys chartarumGipskarton, Tapete, feuchte WändeHoch: Mykotoxine, Reizungen, bei längerer Belastung toxisch
Cladosporium spp.Fensterdichtungen, Kältebrücken, SilikonMittel: allergen, meist nicht toxisch
Aspergillus nigerHausstaub, Keller, feuchte EckenMittel bis hoch: Sporenallergien, bei Vorerkrankung kritisch
Alternaria alternataTextilien, Pflanzen, LuftfilterMittel: allergen, bei geschwächtem Immunsystem gefährlich

Wichtig:

  • Ohne Labortest ist die exakte Bestimmung kaum möglich
  • Schwarz = nicht automatisch gefährlich – aber auch nicht harmlos

Was Sie über Mykotoxine in Schimmelpilzen wissen sollten

Manche Schimmelarten, die schwarz erscheinen – wie z. B. Stachybotrys chartarum oder bestimmte Aspergillus-Arten – können unter bestimmten Bedingungen sogenannte Mykotoxine bilden. Diese Stoffwechselprodukte können reizend oder toxisch wirken – vor allem bei langfristiger Belastung in feuchten, schlecht belüfteten Räumen. Mykotoxine entstehen nicht automatisch bei jedem Schimmelbefall.

Sie bilden sich nur unter speziellen Bedingungen – zum Beispiel bei anhaltender Durchfeuchtung organischer Materialien wie Gipskarton, Holz oder Tapeten.

Wichtig: Nicht jeder Schimmel enthält Mykotoxine.
Ob eine Belastung vorliegt, lässt sich nur durch eine Laborauswertung feststellen.

Schimmelsporen in der Raumluft – die unsichtbare Gefahr für die Gesundheit

Schimmelpilze bilden Sporen, um sich zu vermehren und neue Lebensräume zu erschließen. Diese winzigen Partikel gelangen in die Luft und können sich über weite Flächen verbreiten – oft auch ohne sichtbaren Schimmelbefall.

Für viele gesundheitliche Beschwerden ist nicht der Schimmel an der Wand entscheidend, sondern die unsichtbare Belastung durch Schimmelsporen in der Luft.

Sporen können bereits vor einem sichtbaren Befall auftreten – und auch nach der Reinigung noch vorhanden sein, wenn die Ursache nicht vollständig behoben wurde.

Warum sind Schimmelsporen ein Problem?

  • Schimmelpilze geben mikroskopisch kleine Sporen in die Luft ab
  • Diese Sporen verbreiten sich über Luftströme, Kleidung, Teppiche, Textilien
  • Sie können beim Einatmen Reizungen, allergische Reaktionen oder bei empfindlichen Personen auch Infektionen verursachen
  • Auch nach dem Entfernen des sichtbaren Schimmels können belastete Materialien Sporen freisetzen – zum Beispiel Gipskarton, Holz oder alte Tapeten
  • Besonders problematisch: Auch gereinigte Flächen können Sporen abgeben, wenn die Ursache nicht behoben wurde

Warum Schimmel im Schlafzimmer besonders kritisch ist

  • Menschen hier 6–9 Stunden am Stück verbringen – meist mit geschlossenen Fenstern und Türen
  • Im Schlaf wird tiefer und ruhiger geatmet, was die Aufnahme von Sporen in die unteren Atemwege erleichtert
  • Das Immunsystem ist nachts weniger aktiv, wodurch die Reiz- und Abwehrreaktion abgeschwächt ist
  • Schlechte Luftzirkulation (z. B. hinter Möbeln oder an Außenwänden) kann zu lokal erhöhter Schimmelkonzentration führen

Wie Sie die Sporenbelastung in der Luft reduzieren können

Auch nach dem Entfernen sichtbarer Schimmelstellen können Sporen weiter in der Raumluft vorhanden sein – besonders belastend für empfindliche Personen (z. B. mit Asthma, Allergien oder geschwächtem Immunsystem). Was Sie tun können:

  • Textilien waschen oder entfernen (z. B. Vorhänge, Teppiche), da sie Sporen binden können
  • Feucht reinigen statt trocken wischen, um Sporen nicht aufzuwirbeln
  • Ventilatoren vermeiden, da sie Sporen in der Luft verteilen
  • Luftreiniger mit HEPA-Filter (H13/H14) können die Menge an Schimmelsporen in der Luft deutlich senken. Studien zeigen Reduktionen von etwa 30–70 %, je nach Raum und Gerät.

Diese Maßnahmen reduzieren die Sporenbelastung, ersetzen aber keine Ursachenbeseitigung.

Schimmelsporen meist gelangen über die Luft in unseren Körper über die Atmung, aber auch über Schleimhäute oder Haut. Für gesunde Menschen sind geringe Mengen oft unproblematisch.

Doch bei hoher Konzentration oder längerer Belastung – vor allem in Innenräumen – können sie reizend, allergen oder sogar gesundheitsschädlich wirken. Die Symptome unterscheiden sich je nach Person, Dauer der Belastung und Vorerkrankungen.

Mögliche Beschwerden:

  • Bei chronischer Belastung: Verschlimmerung von Asthma, Bronchitis, Neurodermitis
  • Reizungen: Husten, Atemnot, Heiserkeit
  • Allergische Reaktionen: Niesen, Augenbrennen, Hautausschläge
  • Allgemeine Symptome: Kopfschmerzen, Konzentrationsstörungen, Müdigkeit

Wer ist gesundheitlich besonders gefährdet durch Schimmel?

Einige Menschen reagieren besonders empfindlich auf Schimmelbelastung – auch bei niedriger Konzentration.

  • Babys und Kleinkinder
  • Schwangere
  • Ältere Menschen
  • Asthmatiker:innen und Allergiker:innen
  • Personen mit geschwächtem Immunsystem (z. B. chronische Erkrankungen, Chemo)

Bei diesen Gruppen sollten betroffene Räume nicht genutzt werden, bis eine fachliche Einschätzung vorliegt.

Wann bei Schimmelbelastung zum Arzt gehen?

Wenn gesundheitliche Beschwerden bestehen – oder besonders gefährdete Personen betroffen sind – ist ein ärztlicher Check sinnvoll.

Ratsam bei:

  • Länger anhaltendem Husten, Atemproblemen oder Hautreaktionen
  • Verschlechterung von bekannten Erkrankungen (z. B. Asthma)
  • Unklarem Unwohlsein ohne erkennbare Ursache

Erwähnen Sie beim Arzt den Verdacht auf Schimmelbelastung – das kann für die Diagnose wichtig sein.

Schimmel selbst entfernen? Das sollten Sie aus gesundheitlicher Sicht beachten

Auch wenn Expert:innen empfehlen, Schimmel professionell entfernen zu lassen, greifen viele Menschen bei kleineren Befällen dennoch selbst zum Lappen.
Dabei gilt: Schon beim Reinigen können große Mengen an Schimmelsporen freigesetzt werden, die sich in der Luft verteilen und eingeatmet werden.

Dieser Abschnitt gibt keine technische Anleitung, sondern zeigt, worauf Sie aus gesundheitlicher Sicht achten sollten, wenn Sie dennoch selbst aktiv werden.

Gesundheit schützen beim Schimmel entfernen – Vorsichtsmaßnahmen im Überblick

  • Lüften Sie gut: Arbeiten Sie nur mit ausreichender Belüftung, am besten mit Durchzug.
  • Tragen Sie eine Atemschutzmaske (mindestens FFP2), um Sporen nicht einzuatmen.
  • Haut schützen: Handschuhe und langärmlige Kleidung vermeiden Hautkontakt.
  • Keine trockene Reinigung: Kein Bürsten oder Staubsaugen – das wirbelt Sporen stark auf.
  • Empfindliche Personen (z. B. Kinder, Asthmatiker:innen) sollten sich nicht im Raum aufhalten.

Alkohol, Chlor, Essig bei Schimmel – was bringt was, was ist riskant?

Viele greifen zu Chlor, Alkohol oder Essig, wenn es um die Schimmelentfernung geht. Diese Mittel sind leicht verfügbar – bringen aber gesundheitliche Risiken mit sich.

Chlorhaltige Reiniger:

  • Können reizende Dämpfe freisetzen (Atemwege, Augen, Schleimhäute)
  • Nur mit sehr guter Belüftung anwenden
  • Nie mit anderen Reinigern mischen – es kann gefährliches Chlorgas entstehen
  • Wirken oft nur oberflächlich, nicht in tieferliegenden Materialien
  • Chlor kann giftige Rückstände hinterlassen (z. B. Hypochlorit) und ist deshalb ungeeignet für Flächen mit Lebensmittelkontakt

Alkoholhaltige Mittel (z. B. Isopropanol):

  • Nur für glatte Oberflächen – in porösen Materialien bleibt tiefer sitzender Befall oft bestehen
  • Wirken nicht abtötend, sondern inaktivieren Schimmelsporen lediglich – bei verbleibendem Befall kann erneutes Wachstum auftreten
  • Leicht entflammbar – keine offene Flamme, kein Rauchen
  • Dämpfe können Schleimhäute reizen – auch hier gilt: gut lüften!
  • Alkohol kann zur Desinfektion verwendet werden, ist aber auf Flächen wie Kühlschrank oder Küchenarbeitsplatte nur geeignet, wenn anschließend gründlich mit Wasser nachgewischt wird, um Rückstände zu vermeiden.

Essig & Hausmittel:

  • Essig ist für viele Untergründe ungeeignet (z. B. Putz, Beton) – kann sogar Schimmelwachstum fördern
  • Teebaumöl, Backpulver oder andere DIY-Lösungen haben keine gesicherte Wirksamkeit

Hinweis:
Diese Informationen ersetzen keine professionelle Beratung und sind keine Handlungsempfehlung zur Schimmelentfernung. Sie dienen ausschließlich dazu, gesundheitliche Risiken besser einzuschätzen, falls Sie sich entscheiden, selbst tätig zu werden.

Was Sie nach der Reinigung beachten sollten

Auch wenn eine Fläche nach der Reinigung sauber aussieht, können Sporen oder Reste des Pilzgeflechts (Myzel) im Material zurückbleiben. Besonders nach der DIY-Schimmelentfernung bleibt regelmäßige Kontrolle wichtig, um gesundheitliche Folgen auszuschließen.
Wenn der Schimmel wiederkommt oder sich ausbreitet, ist eine fachliche Begutachtung dringend zu empfehlen.

FAQs

Wie äußern sich gesundheitliche Symptome durch Schimmel?

Häufige Beschwerden sind Husten, gereizte Atemwege, Augenbrennen, Kopfschmerzen oder Hautausschläge. Bei chronischer Belastung kann Schimmel auch bestehende Erkrankungen wie Asthma oder Neurodermitis verschlimmern.

Wie lange dauert es, bis Schimmel gesundheitsschädlich wirkt?

Das hängt von der Intensität der Belastung und der individuellen Empfindlichkeit ab. Bei empfindlichen Personen können Symptome bereits nach kurzer Zeit auftreten. Bei anderen erst nach Wochen oder Monaten.

Können Schimmelsporen nach der Reinigung gesundheitsschädlich bleiben?

Ja, selbst nach der Schimmelentfernung können unsichtbare Sporen in der Raumluft zurückbleiben. Diese stellen weiterhin ein Risiko dar, vor allem für empfindliche Menschen. Deshalb sollten betroffene Räume gut gelüftet und ggf. mit Luftreinigern ausgestattet werden.

Ist Schimmel für Kinder gefährlich?

Ja. Kinder reagieren empfindlicher auf Schimmelsporen als Erwachsene. Ihr Immunsystem ist noch nicht vollständig entwickelt, und sie atmen im Verhältnis zu ihrem Körpergewicht mehr Luft pro Tag ein.
Studien zeigen:
Babies und Kinder, die früh im Leben in schimmelbelasteten Wohnungen leben, entwickeln später deutlich häufiger Asthma und andere Atemwegserkrankungen.